Nähgarn ist so konstruiert, dass es beim wiederholten Durchlaufen von Fadenführungen, Nadel und Stoff eine belastbare Naht bildet. Nicht nur die Faser, sondern auch Anzahl und Drehung der Einzelfäden, Oberfläche, Gleichmäßigkeit und Stärke beeinflussen das Nähergebnis.
Faser und Konstruktion
- Polyestergarn ist strapazierfähig, pflegeleicht und leicht elastisch; es eignet sich für viele Bekleidungs- und Alltagsnähte.
- Baumwollgarn besitzt wenig Dehnung und passt unter anderem zu Baumwollstoffen und manchen Quiltarbeiten, kann bei gleicher Stärke aber anders belastbar sein als Polyester.
- Core-spun-Garn kombiniert einen belastbaren Kern, häufig Polyester, mit einer umsponnenen Faseroberfläche.
- Bausch- oder Texturgarn füllt durch seine voluminöse Struktur gut und wird etwa in Greifern von Overlock- oder Covermaschinen eingesetzt.
Faserbezeichnung allein genügt nicht zur Auswahl. Die konkrete Naht, Pflege, Hitzeeinwirkung, Stoffstärke und Maschinenart entscheiden mit.
Garnstärke richtig einordnen
Garnstärken werden mit verschiedenen Nummerierungssystemen angegeben, deren Werte nicht direkt austauschbar sind. Ein höherer Zahlenwert kann je nach System ein feineres oder gröberes Garn bedeuten. Deshalb sollten Bezeichnung und Empfehlung des Herstellers gemeinsam gelesen werden.
Das Garn muss durch das Nadelöhr laufen, ohne zu scheuern, und zur Nadelstärke passen. Zu dickes Garn in einer feinen Nadel verursacht Reibung und Fadenbruch; eine übergroße Nadel kann unnötige Löcher hinterlassen.
Oberfaden, Unterfaden und Spannung
Bei einem Haushalts-Doppelsteppstich bilden Oberfaden und Unterfaden gemeinsam den Stich. Unterschiedliche Garne sind möglich, erfordern aber eine passende Fadenspannung. Stark fusselndes, ungleichmäßiges oder überaltertes Garn kann den Fadenweg belasten und ein unruhiges Stichbild verursachen.
Stickgarn ist nicht automatisch Konstruktionsnähgarn: Glanz und Laufeigenschaften sind für sichtbare Stickerei optimiert, während eine belastete Kleidungsnaht andere Anforderungen stellt.