Musselin ist eine leichte, locker gewebte und luftige Webware. Im heutigen deutschsprachigen Stoffhandel meint der Name sehr häufig Double Gauze: Zwei feine Gazelagen sind punktuell miteinander verbunden und bilden nach dem Waschen eine weiche, leicht gekreppte Oberfläche.
Einlagige Gaze und Double Gauze
Einlagige Gaze ist offen, leicht und oft durchscheinend. Double Gauze verbindet zwei solcher Lagen in regelmäßigen Abständen, ohne sie flächig zu verkleben. Dadurch wird der Stoff blickdichter und voluminöser, bleibt aber atmungsaktiv. Häufig besteht Musselin aus Baumwolle; der Handelsname allein garantiert die Faser jedoch nicht.
Das typische Knittern und die unregelmäßige Oberfläche gehören zum Charakter des Stoffes. Starkes Glattbügeln kann Struktur und Maße vorübergehend verändern.
Vorbereiten und Zuschneiden
Musselin kann bei der ersten Wäsche deutlich einlaufen und seine gekreppte Struktur verstärken. Er wird deshalb so vorgewaschen und getrocknet, wie das fertige Stück später gepflegt werden soll. Beim Zuschnitt liegt er spannungsfrei und vollständig auf der Arbeitsfläche; scharfer Rollschneider oder Schere verhindern, dass die lockeren Lagen verschoben werden.
Nähen und Versäubern
Eine feine, unbeschädigte Universalnadel und eine nicht zu kurze Stichlänge schonen das lockere Gewebe. Schnittkanten können stark ausfransen, weshalb eine Französische Naht, Einfassung oder andere weiche Versäuberung sinnvoll ist. Beim Bügeln werden Temperatur und Druck an die Faser angepasst, ohne die gewünschte Textur platt zu pressen.
Achtung bei englischen Anleitungen
Englisches double gauze entspricht meist dem heute als Musselin verkauften zweilagigen Bekleidungsstoff. Muslin bezeichnet im nordamerikanischen Nähbereich dagegen oft ein schlichtes Baumwollgewebe oder sogar das daraus genähte Probemodell (muslin/toile). Eine wortwörtliche Übersetzung kann daher zum falschen Material führen.