Der Fadenlauf bezeichnet die Richtung, in der die Fäden beziehungsweise Maschen eines Stoffes verlaufen. Auf einem Schnittteil zeigt meist ein langer Pfeil, wie die Vorlage auf dem Material ausgerichtet werden soll. Diese Ausrichtung beeinflusst Dehnung, Fall und Formstabilität des fertigen Projekts.
Längsfadenlauf, Querfadenlauf und schräger Fadenlauf
Bei Webware verlaufen die Kettfäden längs und parallel zur Webkante. Diese Richtung wird gewöhnlich als Längs- oder gerader Fadenlauf bezeichnet. Die Schussfäden laufen quer von Webkante zu Webkante. Diagonal dazu liegt der schräge Fadenlauf, auch Bias genannt; dort ist Webware meist deutlich nachgiebiger.
Maschenware besitzt keine Kett- und Schussfäden im gleichen Sinn. Dennoch gibt es eine Produktionsrichtung beziehungsweise senkrechte Maschenstäbchen, an denen Schnittteile orientiert werden. Zusätzlich muss bei elastischen Stoffen die Richtung der größten Dehnung beachtet werden.
Fadenlaufmarkierung ausrichten
Ein gerader Fadenlaufpfeil wird parallel zur Webkante gelegt. Dafür misst man den Abstand von einem Ende des Pfeils zur Webkante und anschließend vom anderen Ende. Erst wenn beide Abstände gleich sind, liegt das Teil parallel. Danach wird es mit Gewichten oder Nadeln fixiert.
Eine Linie mit abgewinkelten Pfeilenden kennzeichnet häufig ein Teil, das am Stoffbruch liegt. Bei ausdrücklich schräg zugeschnittenen Teilen folgt man dagegen der eingezeichneten Bias-Richtung und nicht dem Längsfadenlauf.
Folgen eines falschen Fadenlaufs
Schon kleine Abweichungen können bei langen Teilen sichtbar werden. Ein Hosenbein oder Rock kann sich verdrehen, eine Seitennaht nach vorn wandern oder ein Saum ungleich hängen. Bei Karos und Streifen fällt außerdem auf, wenn Linien nicht wie vorgesehen verlaufen.
Ein bewusster Zuschnitt gegen den geraden Fadenlauf ist möglich, etwa für schräg fallende Kleider oder Schrägband. Dann ist die abweichende Richtung Teil der Konstruktion. Unbeabsichtigtes Drehen, nur um Stoff zu sparen, verändert dagegen die Materialeigenschaften und kann die Passform beeinträchtigen.
Der Schnittauflageplan berücksichtigt diese Richtungen bereits. Bei einer eigenen Anordnung bleibt die Fadenlaufmarkierung trotzdem die verbindliche Orientierung.