Ein Schnittmuster zu gradieren bedeutet, seine Schnittteile nach definierten Größensprüngen in weitere Größen zu übertragen. Dabei werden nicht alle Konturen gleichmäßig vergrößert. Die Veränderungen verteilen sich auf bestimmte Punkte, damit Proportionen, Nahtlängen und Konstruktionslinien erhalten bleiben.
Gradierung in der Schnittkonstruktion
Ausgangspunkt ist ein Basisschnitt in einer Referenzgröße. Für jede weitere Größe werden wichtige Punkte horizontal und vertikal verschoben. Brust-, Taillen- und Hüftweite verändern sich anders als Schulterbreite, Halsloch, Armausschnitt oder Länge. Die Regeln hängen von Produktart, Zielgruppe und Maßtabelle des Anbieters ab.
Nach der Gradierung müssen Nähte, Passzeichen, Abnäher und Teilungen kontrolliert werden. Eine Ärmelkurve muss weiterhin zum Armausschnitt passen; ein Bund zur entsprechenden Taillenkante.
Gradieren zwischen vorhandenen Größen
Im Hobbynähen wird „gradieren“ häufig auch für das Überblenden zwischen Größen verwendet. Dabei folgt man beispielsweise an der Brust Größe 40, an der Taille 42 und an der Hüfte 44 und zeichnet eine harmonische Verbindung. Das ist eine individuelle Größenanpassung innerhalb eines Mehrgrößenschnitts, keine vollständige professionelle Neugradierung.
Die Übergänge müssen auf allen zusammengehörigen Teilen an denselben Körperhöhen erfolgen. Anschließend werden Nahtlängen und Passzeichen geprüft. Bei großen Abständen oder komplexen Teilungsnähten kann eine gezielte Schnittanpassung geeigneter sein.
Warum Skalieren beim PDF-Druck nicht funktioniert
Ein PDF mit 105 Prozent zu drucken vergrößert Breite, Länge, Nahtzugabe, Markierungen und Kontrollquadrat im selben Verhältnis. Körpermaße wachsen jedoch nicht proportional in alle Richtungen. Auch eine vorhandene Nahtzugabe soll meist gleich breit bleiben. Gleichmäßiges Skalieren ist deshalb keine fachgerechte Gradierung.
Digitale Schnittmuster werden grundsätzlich im vorgeschriebenen Maßstab gedruckt. Für eine andere Größe werden die dafür vorgesehenen Linien, eine konstruktive Gradierung oder eine passende Schnittänderung verwendet.
Grenzen
Je weiter eine gewünschte Größe von der Ausgangsgröße entfernt ist, desto größer ist das Risiko verzerrter Proportionen. Professionelle Anbieter arbeiten deshalb teils mit verschiedenen Grundschnitten für unterschiedliche Größenbereiche. Nach umfangreichen Änderungen empfiehlt sich ein Probeteil, bevor der endgültige Stoff zugeschnitten wird.