Die Nahtzugabe ist der Bereich zwischen der späteren Nahtlinie und der zugeschnittenen Stoffkante. Sie gibt den Stoff, den die Nähmaschine neben der eigentlichen Form benötigt, um zwei Teile sicher zu verbinden. Nach außen sichtbar ist später die Nahtlinie; die Zugabe liegt gewöhnlich auf der Innenseite.
Enthalten oder nicht enthalten?
Schnittmusteranbieter arbeiten unterschiedlich. Bei manchen Schnittmustern liegt die äußere Linie bereits an der Schnittkante und die Nahtzugabe ist enthalten. Andere zeigen die fertige Nahtlinie; dann muss vor dem Zuschnitt eine gleichmäßige Zugabe ergänzt werden.
Der Hinweis in Anleitung oder Legende ist entscheidend. Wird eine enthaltene Nahtzugabe ein zweites Mal ergänzt, wird das Kleidungsstück zu groß. Wird eine fehlende Zugabe übersehen, fehlt Material und das Projekt fällt zu klein aus.
Typische Breiten
Es gibt keinen universellen Wert. Häufige Größenordnungen sind:
- etwa 1 bis 1,5 cm bei vielen Bekleidungsschnitten
- schmalere Zugaben an feinen Kanten oder bei bestimmten Industrie- und Overlockverfahren
- breitere Reserven an Säumen oder Stellen, die später angepasst werden sollen
- etwa 6 mm beziehungsweise ¼ Inch bei vielen Patchworkarbeiten
Maßgeblich sind immer Schnitt, Material und Verarbeitungstechnik. Eine französische Naht braucht beispielsweise eine abgestimmte Gesamtzugabe, während stark gebogene Kanten oft schmaler zurückgeschnitten werden.
Gleichmäßig markieren und nähen
Fehlt die Zugabe im Schnittteil, wird sie mit Handmaß, Nahtzugabenlineal oder einem parallel geführten Markierwerkzeug ergänzt. An Ecken und Rundungen muss der Abstand zur Nahtlinie gleichmäßig konstruiert werden; ein bloßes Verschieben der äußeren Linie kann die Form verändern.
Beim Nähen helfen Markierungen auf der Stichplatte oder eine Kantenführung, denselben Abstand einzuhalten. Entscheidend ist nicht die Breite des verbleibenden Randes, sondern dass die Naht auf der vorgesehenen Linie liegt.
Was geschieht nach dem Nähen?
Je nach Material werden Nahtzugaben auseinandergebügelt, gemeinsam zu einer Seite gelegt, abgestuft zurückgeschnitten oder mit Zickzackstich beziehungsweise Overlock versäubert. An Innenkurven werden kleine Einschnitte gesetzt, an Außenkurven Keile entfernt. Diese Schnitte dürfen die Naht nicht verletzen.
Eine Nahtzugabe ist damit nicht nur „zusätzlicher Stoff“: Ihre Breite und Verarbeitung beeinflussen Haltbarkeit, Beweglichkeit und wie flach eine fertige Naht liegt.